«Betet ohne Unterlass»
Papst Leo XIII. führte im Jahr 1884 den Oktober als Rosenkranzmonat ein. Seither lädt die Kirche in diesem Monat besonders dazu ein, den Rosenkranz zu beten und sich mit Maria dem Geheimnis Christi zu öffnen.
Pfarrer Francis,
Am 7. Oktober feiert die Kirche „Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz“. Der 7. Oktober erinnert an die Seeschlacht von Lepanto im Jahr 1571. Im Golf von Patras errang die „Heilige Liga“ einen überraschenden Sieg über die damals als nahezu unbesiegbar geltende osmanische Flotte. Papst Pius V. hatte die Christenheit zuvor aufgerufen, gemeinsam den Rosenkranz zu beten. Den Ausgang der Schlacht schrieb er in besonderer Weise der Fürsprache der Gottesmutter und der Kraft des Rosenkranzgebetes zu. Zur Erinnerung daran wurde der 7. Oktober zum Fest „Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz“ bestimmt.
„Betet ohne Unterlass!“ (1 Thess 5,17). Schon die ersten Christen nahmen diese Worte des Apostels Paulus ernst. Besonders die Mönche und Nonnen in den Wüsten Ägyptens und des Nahen Ostens im 3. bis 5. Jahrhundert wollten ihr Leben ganz vom Gebet prägen lassen. Um ihre Gebete zu zählen, verwendeten sie kleine Steine oder einfache Gebetsschnüre.
Später entwickelte sich in den Klöstern das Stundengebet. Die Mönche beteten darin die 150 Psalmen. Wer nicht lesen konnte, sprach stattdessen 150 Mal das Vaterunser. Dafür benutzte man Gebetsschnüre mit 150 Knoten, die sogenannten „Paternosterschnüre“.
Im Mittelalter wuchs die Verehrung Mariens zunehmend. Aus den Paternosterschnüren entwickelte sich nach und nach der Rosenkranz in der uns heute vertrauten Form. Zum Vaterunser kamen die Ave Maria hinzu. Zugleich betrachtete man zentrale Ereignisse aus dem Leben Jesu – mit den Augen Marias: sein Wirken, sein Leiden, seinen Tod und seine Auferstehung. Der Rosenkranz kann deshalb als eine Art „gestrafftes Evangelium“ verstanden werden: In seinen Geheimnissen wird uns das Leben Jesu Christi vor Augen geführt.
Ab dem 15. Jahrhundert setzte sich im deutschen Sprachraum eine Form mit 15 Geheimnissen durch. Zu jedem Geheimnis wurden zehn Ave Maria gebetet. So entstand Schritt für Schritt der Rosenkranz, wie wir ihn heute kennen: ein einfaches, zugleich tiefes Gebet, in dem wir gemeinsam mit Maria das Leben Jesu betrachten.
Papst Johannes Paul II. ergänzte im Jahr 2002 die bisherigen drei Reihen des Freudenreichen, Schmerzhaften und Glorreichen Rosenkranzes um die Lichtreichen Geheimnisse. Sie laden dazu ein, das öffentliche Wirken und die Sendung Jesu Christi zu betrachten.